Bio, Öko und das Klima – Die Ästhetik der politischen Ökologie

Seit jeher schlagen zwei (wenn nicht mehr) Herzen in der Brust der Menschen. Auf der einen Seite ist dort der Wunsch nach Veränderung, zum anderen der Wunsch nach Beständigkeit. Der eine will wissen, was jenseits der Grenzen seines Heimatortes liegt, die andere sehnt sich nach der Bekanntheit des eigenen Zuhauses. Jene sieht die aktuelle Situation und möchte sie verändern, jener sieht die selbe Situation und wünscht, alles soll so bleiben, wie es ist.

Zurecht mögen Sie sich jetzt fragen, was denn dieser Einstieg mit Ästhetik zu tun hat? Geht es dabei nicht um Schönheit? Um die Frage nach dem, was ewig als schön identifiziert werden kann? Aber Veränderungen im Schönheitsideal? Gibt es das? Ist die Suche nach dem Schönen, nicht von jeher eine Grundfrage der Philosophie?

Und doch! Wenn Sie ehrlich sind, wissen Sie es bereits. Nicht umsonst gibt es den Begriff der Rubensfrau, für diejenigen Damen, die ein paar mehr Kilos auf den Rippen haben, als es die Allgemeinheit für ideal hält. Peter Paul Rubens malte vor etwa 400 Jahren diese Damen, weil sie seinen, weil sie den damaligen Geschmack trafen. Da musste es keine Diskussion geben, dass es von den Damen oder Rubens mutig sei, dieses Motiv gewählt bzw. sich als Modell zur Verfügung gestellt zu haben. Rubens zweite Ehefrau inspirierte Rubens in seinen letzten Lebensjahren zu diesen Motiven. Rubens war kein armer Künstler, dessen Kunst aneckte, selbst, wenn er so manches traditionelle Motiv übertrieb und vulgarisierte. Er war Teil der Antwerpener Oberschicht, malte für Kirchen und Könige, wurde seiner Verdienste wegen geadelt und zum Ehrendoktor der Universität Oxford ernannt. Seine Motive waren Mainstream, wenn auch ein von ihm geschaffener Mainstream.

Was zeigt uns das also? Ästhetik ist veränderbar. Sie ist dabei nicht nur vom zeitlichen Kontext abhängig, sondern auch vom räumlichen. Zwei Beispiele vom afrikanischen Kontinent sollen das verdeutlichen. Eine Delegation von Kulturwissenschaftlern wurde einmal durch ein westafrikanisches Museum geführt. Darin wurden Werke gezeigt, die den Alltag verschiedener regionaler Völker zeigen sollten. In diesem Museum fand sich auch eine Puppe, die ein traditionelles Kleid trug. Diese Puppe war für europäische Augen entworfen worden, sie entsprach in der Form einem, wie auch immer angenommenen, europäischen Schönheitsideal. Der Führer schmunzelte und wies daraufhin, dass für seinen Geschmack die Puppe ruhig ein bisschen draller hätte ausfallen können.

Ich selber ging vor ein paar Jahren über den Großen Markt von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Die schiere Größe dieses Marktes, die Farben, Gerüche und auch die Produkte selber luden zum Staunen ein. Plötzlich stand ich vor einem Stand, in dem es um Erotik ging. Neben Push-Up-Bhs konnte die modebewusste kongolesische Frau hier auch eine Hose kaufen, die ihr Hinterteil größer erscheinen lassen sollte, als es tatsächlich war. Ästhetik ist, das war mir in diesem Moment klar, verhandelbar. Aber was ist denn nun Ästhetik wirklich?

Wer sich die Wurzeln dieses Wortes anschaut, der stellt schnell fest: Mit Schönheit hat der Begriff wenig zu tun. Es geht schlicht um die Wahrnehmung. Ob das Wahrgenommene schön oder hässlich ist, spielte zunächst keine Rolle. Allerdings versteht es sich von alleine, dass das Schöne, das man gerne ansieht, stärkere Spuren im öffentlichen Bewusstsein hinterlässt, als das, von dem man sich abwendet. Auch wenn Umberto Eco in seinen Studien zur Hässlichkeit klar gestellt hat, wie sehr auch das Hässliche die Kunst prägt, so ist es doch das Schöne, das Öffentlichkeit prägt. So mag es nicht verwundern, dass Ästhetik zum Synonym für Schönheit wurde und die Wahrnehmung hinter sich lies.

Zum ästhetischen Verständnis im Wandel der Zeiten einen Vortrag zu halten, wäre sicherlich eine spannende und lohnende Aufgabe. Das ist hier aber nicht das, worum es geht. Es soll hier ja um die Ästhetik der Ökologie, speziell der politischen Ökologie gehen. Daher will ich mich auf die Natur und ihre ästhetische Darstellung begrenzen.

Sie alle kennen sicherlich die Höhle im südfranzösischen Lascaux oder die spanische Höhle von Altamira. Dort finden Sie auf den Wänden etwa 20.000 Jahre Darstellungen von Tieren, etwa einer recht detaillierten Bisonherde, aber auch anderer, meistens zur Jagd geeigneten Fauna. Doch in der Steinzeit wurden nicht nur Tiere gemalt, sie wurden auch modelliert, unter anderem aus Knochenmaterial. Einige dieser Skulpturen, zum Beispiel das Vogelherd-Pferd, das in einer Höhle der Schwäbischen Alb gefunden wurde, reichen eventuell bis in das Jahr 30.000 v. Chr. (und ggf. noch weiter) zurück.

Warum führe ich diese Kunstwerke auf? Zum einen ist es offensichtlich, dass unsere Vorfahren sich klar an der Natur orientierten, sie diese als Vorbild nutzen, um eigenständige Kunst zu gestalten. Dazu gehören nicht nur Abbildungen von Tieren, sondern auch bereits Werke, in denen Mensch und Tier miteinander verschmelzen. Auch dafür gibt es bei den Funden der Schwäbischen Alb ein Beispiel, den so genannten Löwenmann, der den Kopf eines Löwen und den restlichen Körper eines Menschen hat. Die Natur ist also Vorbild für die Kunst. Die Kunst, ja die Kultur selber, aber ist Abbild der Natur. Kultur gegen Natur, zu diesem Gegensatz wollen wir später noch kommen.

Zunächst aber bleibt festzuhalten, dass die Natur bereits für unsere Vorfahren als schön, als ästhetisch gegolten haben muss, andernfalls hätte man nicht probiert, die Tiere in Form und Farbe nachzuahmen. Ist Schönheit also eine anthropologische Grundkonstante, etwas, was der Mensch braucht, um Mensch zu sein?

Die Antwort darauf ist einfach: Nein! Denn die Schönheit braucht nicht nur der Mensch, auch andere Lebewesen profitieren vom Schönen. Dazu gehört nicht nur der Pfau, der sein Rad schlägt, um das Weibchen zu begeistern, dazu gehören auch die Pflanzen, die durch Farben und Gerüche probieren, Insekten anzulocken. Schönheit ist natürlich, so natürlich, dass sie dem Menschen gar nicht allein gehört.

Wir wissen aber auch, dass die Natur nicht nur schön ist. Der Tod eines Wesens macht die Schönheit zunichte, die Farben entweichen, die Eleganz verblasst:

„Weißt du, mein Herz, noch, was im lichten Morgenscheine // Wir jenen Sommertag entdeckt: // Ein schändlich Aas, nicht weit vom schmalen Wegesraine, // Auf Kieselsteinen hingestreckt. // Die Beine in der Luft, wie liederliche Frauen, // Vom Strome glühnder Gifte voll, // Ließ es voll Lässigkeit und ohne Scham uns schauen // Den Leib, dem grauser Stank entquoll. // Die Sonne strahlte auf die ekle Fäulnis nieder, // Die ihre Glut zu kochen schien, // Als gäbe hundertfach sie der Natur das wieder, // Dem einst sie eine Form verliehn. // Der Himmel schaute nach dem wundersamen Aase, // Wie es sich blütengleich erschloß, // So fürchterlich war der Geruch, daß auf dem Grase // Fast eine Ohnmacht dich umfloß. // Die Fliegen summten um die modernden Atome, // Indes gedrängt und schauerlich // Der Larven ekle Schar, in schwerem, schwarzem Strome // Durch die lebendgen Fetzen schlich.“

Mit diesen Worten beschreibt der französische Dichter Charles Baudelaire die Vergänglichkeit des Lebens am Beispiel eines verwesenden Kadavers. Die Worte sorgen heute noch für Abneigung, wohl auch weil Baudelaire sein Gedicht mit Begriffen und Motiven versieht, die wir sonst nur aus romantischen Gedichten kennen, so adressiert er das Gedicht an seine Geliebte und schwelgt in Erinnerung an einen gemeinsamen Ausflug.

Der amerikanische Schriftsteller Theodor Dreiser lässt seine Hauptfigur Clyde Griffiths 1925 in seiner Triologie Eine Amerikanische Tragödie an einem schönen, sonnigen Tag hinrichten, um klar zu machen, dass die Natur zwar schön ist, aber das diese Schönheit mit dem menschlichen Leben nichts zu tun hat.

Die Natur ist schön, sagen uns die Menschen der Eiszeit, die Natur ist ekelhaft, sagen uns die Schriftsteller der Moderne. Diese Diskrepanz erklärt sich, wenn man daran denkt, dass ein Abbild von etwas Echtem, eben nur das ist, ein Abbild. Es kann niemals mehr sein als dieses Abbild. Mit dieser Erkenntnis kann man auf verschiedene Weise umgehen. Man kann trotzdem versuchen, so nahe wie möglich an das Original heranzukommen, und ist dann mit seiner Leistung zufrieden. Oder, und das ist weitaus spannender, man kann daran verzweifeln, dass man nur ein Abbild schaffen kann. Aus dieser Verzweiflung ergeben sich erneut zwei Möglichkeiten. Man kann sich von der Natur abwenden und sich auf anderes konzentrieren, also jene Leistung, die erst vor etwa 100 Jahren durch diejenigen Künstler passierte, die begannen, abstrakt zu malen und zu bauen. Oder man wendet sich von der Natur ab und deklariert das Wirkliche, das Reale nicht zum Schönen, sondern nur zu einem Abbild eines Idealen, das einzig der Künstler selber herausfinden kann.

Also kurz gesagt: Man kann die Natur imitieren, man kann sie überwinden, oder man kann sie abwerten und auf ihren Platz verweisen.

Die Kunstgeschichte hat genügend Beispiele, die aufzeigen, dass alle drei Formen so passiert sind. Die Imitation der Natur finden wir in den eiszeitlichen Höhlen, das Überwinden in der abstrakten Malerei und das Abwerten der Natur in der griechischen Kunst der Antike.

Nun werden sich einige unter Ihnen sicher fragen: Hat er gerade gesagt, die Griechen werteten die Natur in ihrer Kunst ab? Ja, das taten sie. Das sieht man nicht nur in der Philosophie Platons, in der es immer um das Ideal, nicht um das Konkrete, geht. Das, was wir in der Realität vor Augen hatten, war im Denken Platons, immer nur eine Annäherung an ein Ideal, nie aber von sich aus perfekt.

Die griechische Kunst zeigt dieses Idealisieren ganz klar. Die Formen der Statuen waren makellos. Die Herren besaßen einen überdimensionales Sixpack, statt eines feisten Bauches, die Damen hatten die symmetrischsten Gesichter und ihre Proportionen passten perfekt zueinander. In den griechischen Statuen suchten die Künstler das Ideal des Menschen zu finden, das es in der Realität nicht gab. Eine größere Abkehr von der Realität ist kaum möglich. Dass zudem nur ein schöner Mensch auch ein edler und guter Mensch sein konnte, während ein hässlicher schlecht und böse war, kam innerhalb des griechischen Denkens noch hinzu. Dem widersprach jedoch die Realität komplett, denn Platons Lehrer Sokrates wird als hässlich beschrieben, war aber von seiner Seele her gut und damit schön.

Aber kehren wir zurück zum Umgang mit der Natur aus der Sicht der künstlerischen Ästhetik. Wir können die Natur imitieren, wie können sie überwinden und wir können sie abwerten. Diese drei Optionen stehen uns zur Verfügung, wenn man sich nicht vornimmt, die Natur komplett zu ignorieren, was aber schier unmöglich scheint, bedenkt man, dass das Schöne in der Natur Teil unserer evolutionären Entwicklung ist. Nein, wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen.

Welchen Weg aber hat nun die politische Ökologie gewählt? Wie setzt sie sich mit der Natur auseinander? Die Antwort können Sie sich leicht selber geben: Sie erhöht die Natur zur Kunst und eine Imitation wird so zum höchsten aller Güter. Eine Abkehr oder ein Überwinden ist dem ästhetischen Empfinden der Anhänger der politischen Ökologie fremd.

Interessanterweise übernehmen sie aber dennoch einen Teil des griechischen Denkens, denn auch für sie gilt, was schön ist, ist gut. So wird die Natur zur Mutter Natur, die sich liebevoll um ihre Geschöpfe kümmert. Doch, wie bereits Baudelaire aufzeigt: Die Natur ist auch überaus hässlich und damit in der Logik der Imitatoren auch böse. Ein Auflösen des Widerspruchs wird dabei nur selten angestrebt, meistens wird er negiert oder, was schlimmer ist, ignoriert.

Aber bevor ich an dieser Stelle beginne, die ästhetischen Vorstellungen der politischen Ökologie zu analysieren, ist es nur fair, zunächst einmal darauf einzugehen, was politische Ökologie eigentlich ist. Das Politische stellen wir dazu zunächst einmal hinten an und kümmern uns um die Ökologie selber.

Erneut haben wir es mit einem Wort griechischen Ursprungs zu tun. Oikos bezeichnet den Haushalt bzw. das Haus, logos ist die Lehre (und so vieles mehr). Würde man jedoch den Begriff mit Lehre vom Haushalt übersetzen, würde man eher im Bereich der Ökonomie landen, was auch wiederum aus dem Griechischen kommt und soviel bedeutet wie die Regeln des Haushalts.

Fragen wir uns also, welcher Haushalt eigentlich gemeint ist. Tatsächlich finden sich bei den alten Griechen keinerlei Hinweise auf dieses Wort. Es handelt sich um eine Erfindung, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und zunächst im Bereich der Hygiene Verwendung fand. Das Wort bezieht sich dabei nicht auf die Übersetzung von oikos mit Haushalt, sondern auf die Übersetzung mit Haus. In den Lexika-Artikeln, in denen es seit 1838 erscheint, geht es bei seiner Verwendung ausschließlich um das Anlegen von Wohnanlagen unter dem Aspekt der Gesundheit. Erst mit dem Biologen Ernst Haeckel taucht das Wort in seiner noch heute geläufigen Form auf. Er bezieht es 1866 explizit auf den Haushalt der Natur, wenn er schreibt: „Unter Oecologie verstehen wir die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle ‚Existenz-Bedingungen’ rechnen können.“

Für Haeckel ist also klar, dass es eine Beziehung zwischen den einzelnen Organismen und zu deren gesamter Umwelt gibt, die als Grundlage für Leben gelten muss. Es geht also um Beziehungen zueinander. Warum er dafür jedoch das Wort oikos im Sinne von Haushalt nutzte, weiß er nur selber. Denn mit diesem Wort gibt es ein Problem. Wir alle kennen dieses Wort vornehmlich aus zwei ganz anderen Zusammenhängen. Zum einen hat es tatsächlich etwas mit Hygiene zu tun. „Ich mache den Haushalt“, jemand „führt den Haushalt“, das sind Phrasen, die immer dann genutzt werden, um Tätigkeiten in der eigenen Wohnung oder auch im Heim einer anderen Person zu beschreiben, in denen es darum geht, zu reinigen, egal ob Geschirr, den Boden oder das Bad. Zum anderen kennen wir das Wort aus dem bereits erwähnten Bereich der Ökonomie. Das „Haushaltsrecht ist das höchste Recht des Parlaments“, lernen wir in der Schule und wissen, dass damit gemeint ist, sich um das Geld eines Staats zu kümmern, die Einnahmen zu verwalten und die Ausgaben zu regulieren. Einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen war bis zur Corona-Krise oberstes Ziel der Politik, symbolisiert in der schwarzen Null.

Reinigen und Geld verwalten. Diese beiden Aspekte des Haushalts regen zum Assoziieren an. Wer etwas reinigt, macht etwas weg. Er entfernt etwas, was er nicht will oder braucht, entfernt eventuell etwas, was schädlich ist. Man entledigt sich also etwas Schlechtem. Geld verwaltet man am besten, wenn man dafür sorgt, dass die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen, es also einen Ausgleich gibt. Besser noch ist natürlich dafür zu sorgen, dass die Einnahmen stets höher als die Ausgaben sind, also einen Gewinn zu verzeichnen. Auf der einen Seite entledigen wir uns also Dingen, die wir nicht brauchen, auf der anderen Seite sammeln wir das, was wir brauchen können. Das sind die Eigenschaften, die mit dem Begriff Haushalt verbunden sind. Was also heißt das nun in Bezug auf die Ökologie als Lehre vom Naturhaushalt?

Wenden wir das eben skizzierte auf die Natur an, so kann dies ja nur bedeuten, dass die Natur ein Gleichgewicht hat, das gehalten werden muss, dass es im Natürlichen eine Balance gibt, die durch Beschneiden auf der einen sowie durch Hinzufügen auf der anderen Seite aufrecht erhalten wird. Ein einfaches Beispiel, das ich häufig gehört habe, um dieses Gleichgewicht zu erklären, handelt von Füchsen und Hasen. Füchse jagen Hasen, um sie zu fressen. Aus unbekannten Umständen passiert es in einem Jahr, dass es viele Füchse gibt, die allesamt Hasen jagen. Dadurch reduziert sich die Zahl der Hasen und somit auch die Anzahl der Beutetiere für die Füchse. Das wiederum hat zur Folge, dass im Jahr darauf weniger Füchse überleben können, so dass die Zahl der Füchse wieder singt, während aber die Zahl der Hasen wieder steigen kann. Das Beispiel ist natürlich viel zu vereinfacht, denn es schließt andere Faktoren komplett aus, etwa die Tatsache, dass so ein Fuchs ja auch andere Tiere erbeuten kann, aber um das Prinzip zu verstehen, sollte es ausreichen. Auch Jäger argumentieren ja gerne mit dem Aufrechterhalten eines Gleichgewichts, wenn sie Rehe schießen und es leuchtet ja auch irgendwie ein. Es gibt nur ein Problem bei dieser Idee des Gleichgewichts: Charles Darwin!

Als Darwin seine Evolutionstheorie publizierte, war diese nicht unumstritten. Nicht nur innerhalb der kirchlichen Kreise stieß er auf Ablehnung, auch die damaligen Naturwissenschaftler selber hatten mit Darwins Theorie ein Problem. Der wohl wichtigste und einflussreichste Wissenschaftler des Britischen Empire, Sir Richard Owen, der heute vor allem als Erfinder des Begriffs Dinosaurier bekannt ist, war ein strikter Gegner der Theorie. Ernst Haeckel war kein Gegner. Im Gegenteil war er ganz auf Darwins Linie und fügte seinen Ökologiebegriff in die evolutionäre Entwicklung des Lebens ein. Er ging soweit, dass er die Theorie sogar auf die Menschheit selber anwandte und so zu einem der wichtigsten Vertreter des Sozialdarwinismus wurde.

Haeckels Position hat Sinn. Der Einfluss, den die Umwelt auf einen einzelnen Organismus oder auf eine ganze Population hat, ist nicht zu unterschätzen, gerade wenn es um Darwins Evolutionstheorie geht. Wo also ist das Problem? Die Idee eines ausgewogenen Haushalts widerspricht der Theorie der Evolution. Und erinnern wir uns: Haeckel selber sprach gar nicht von einem Gleichgewicht, nur von Beziehungen.

Wenn Evolution darin besteht, dass durch Isolation und Mutation neue Arten geschaffen werden, dann scheint der ausgeglichene Haushalt, die natürliche Balance wenig damit zu tun zu haben, ja, ein Ungleichgewicht muss gerade die Ausgangsbasis für Entwicklung sein.

Wie meine ich das? Kommen wir noch einmal zu den Füchsen und Hasen zurück. Zwar teilen sich alle Füchse gemeinsame Eigenschaften, aber die einzelnen Individuen sind durchaus unterschiedlich flink, unterschiedlich intelligent, unterschiedlich gefärbt usw. Auch unsere Hasen sind unterschiedlich schwer, unterschiedlich schnell oder unterschiedlich clever. Diese Tatsache der individuellen Merkmale bildet quasi den Kern der Evolutionstheorie. Denn eines dieser Merkmale oder auch eine Kombination verschiedener Merkmale in einem Individuum, sorgt für die Anpassung an geänderte Begebenheiten. Die Tatsache, dass die bekannten Darwin-Finken alle unterschiedliche Schnäbel haben, hat eben damit zu tun, dass sich die Form der Schnäbel den neuen Lebensumständen auf Galapagos angepasst hatte.

Aber zurück zu Hasen und Füchsen. Von den Hasen werden nur diejenigen überleben, die schneller oder klüger als der Fuchs sind. Nur diese werden sich vermehren und nur diese werden ihre Gene weitergeben. Von den Füchsen werden bei Futterknappheit vielleicht nur diejenigen überleben, denen es nichts ausmacht, auch mal ein paar Tage Früchte zu essen. Wenn dies über ein paar Millionenjahre so geht, sind Füchse vielleicht Vegetarier und Hasen gelten als die schnellsten Tiere der Welt. Dadurch verändert sich die Umwelt, dadurch verändert sich der Haushalt der Umwelt. Das Ganze lässt sich demnach kurz auf eine Binsenweisheit bringen: Das einzig Unveränderliche in der Welt ist die Veränderung.

Sie sehen, in der langen Perspektive, ist das Konzept der Ökologie als Idee einer Balance relativ unbrauchbar, aber man redet ja gar nicht von der Zeit eine Million Jahre in der Zukunft, wenn man von der Ökologie spricht. Es geht ja um die Gegenwart, vielleicht noch um die nächste Generation und die darauf folgende. Und es geht bei der Ökologie auch nicht um Hasen und Füchse. Gemeinhin geht es um ein ganz anderes Tier, das es geschafft hat, die Natur in einer Weise zu verändern, wie es das kein Fuchs oder Hase könnte. Der Ökologie geht es um den Menschen.

Dabei sollten wir uns eine Sache klar machen. Der Natur, der Umwelt und einem wie auch immer gestaltetem ökologischen Haushalt dieses Planet ist es vollkommen egal, ob es Leben gibt und wie dieses Leben aussieht. Weder braucht dieser Planet Wasser, noch Luft, noch Fuchs, noch Hase, noch Mensch. Wer das alles braucht, ist der Mensch selber. Das bedeutet ganz einfach, dass ein Erhalt eines ökologischen Gleichgewichts im Interesse der Menschen ist, und von sonst niemandem. Man muss das in dieser Deutlichkeit sagen, denn wer genug Artikel, Bücher und andere Beiträge liest, der bekommt schnell den Eindruck, dass diese simple Tatsache vergessen wird. Das Ökosystem muss geschützt werden, damit es dem Menschen, wie wir ihn heute kennen, gut geht. Das ist die simple Wahrheit. Wenn der Mensch dabei das Ökosystem soweit zerstört, dass das angenommene Gleichgewicht wegfällt und er selber nicht mehr leben kann, dann ist das sein Pech. Kein Fuchs und kein Hase, sollte es diese Tiere dann noch geben, wird darüber traurig sein, dass der Mensch weg ist. Die triste Stimmung, die Alan Weisman in seinem Weltbestseller Die Welt ohne uns zeichnet, existiert nur im Kopf der Menschen. Diese Gefühle sind ausschließlich humane Konstrukte, von denen wir nicht glauben dürfen, es gäbe sie außerhalb menschlicher Vorstellung.

Doch dieser Fakt ist für den menschlichen Verstand schwer fassbar.

Auch ich selber habe so eben drei Objekte personifiziert, die eigentlich nicht personifiziert werden können. Als ich sagte, Natur, Umwelt und Haushalt des Planeten sei es egal, ob es Menschen gebe, probierte ich mit Hilfe des Mittels der Vermenschlichung einen Gedanken auszudrücken. Aber natürlich ist das inadäquat. Diesen drei Dingen ist nichts egal, ihnen kann gar nichts egal sein, denn sie sind dazu nicht in der Lage. Aber Sie merken, wie schwer es ist, als Mensch eine nicht menschliche Perspektive einzunehmen, in der Gefühle, Denken, das Treffen von Entscheidungen und ähnliches keine Rolle spielt.

Fakt ist, um hier aus dem Blockbuster Jurassic Park von Steven Spielberg zu zitieren, das Leben findet immer einen Weg. Ob als Mikrobe, Wurm, Fisch, Frosch, Schlange, Vogel oder Affe, ob als Grashalm, Blume, Strauch oder Baum. Es ist da. Und in spätestens 5 Milliarden Jahren ist eh alles vorbei, wenn sich unsere Sonne aufbläht die inneren Planeten unseres Sonnensystems verschluckt und damit die Erde, wie auch immer sie dann aussehen wird.

Also ist es vollkommen egal, den Müll zu trennen, das Grundwasser nicht zu vergiften, Tiere und Pflanzen zu schützen, den Regenwald abzuholzen oder dem Klimawandel dabei zuzusehen, wie er Regionen für Menschen unbewohnbar macht? Nein, ist es nicht. Denn zum einen gibt es nun einmal einen Überlebensinstinkt, der nicht nur für das einzelne Individuum gilt, sondern auch für dessen Familie, für Freunde oder, je nachdem wie weit die eigene Empathie reicht, für die Nachbarn, die Bewohner der Heimatstadt, das eigene Volk oder auch die ganze Menschheit. Zum anderen gibt es dieses tief verwurzelte Gefühl der Ästhetik der Natur gegenüber, das sich etwa darin zeigt, dass gestresste Stadtmenschen ab und an in den Wald gehen sollten, um sich zu entspannen.

Es geht also um uns alle, also um uns als Gesellschaft, unser Gemeinwesen und damit sind wir bei der Politik angekommen, also dem, was sich der Wortherkunft her mit Entscheidungen eben zu diesem Gemeinwesen beschäftigt.

Politik ist auf Menschen gerichtet, nicht auf Natur. Das bedeutet, sie ist nicht an einem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur interessiert. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist klar geregelt und findet ihren besten Ausdruck eigentlich im ersten Buch Moses, wenn Gott Adam und Eva befiehlt: „Macht euch die Erde untertan!“ (Gen 1, 28). Und natürlich kann man jetzt einen solchen Satz auslegen und sagen, ja, aber ein guter Chef achtet auf seine Mitarbeiter, er achtet auf das Betriebsklima. Aber es hilft alles nichts, am Ende ist es klar. Die Idee hinter dem Bibelwort ist, dass der Mensch über alles andere herrscht. Das ist kein symmetrisches Verhältnis, das ist eine Hierarchie, die man zwar flach auslegen kann, aber nicht abschaffen.

Der Mensch hat genau das gemacht. Zunächst als nomadischer Jäger, der Tiere jagt. Ein kleines Beispiel dazu. Die beiden amerikanischen Kontinente waren menschenleer, bevor die Vorfahren der einheimischen Bevölkerung dorthin kamen. Sie kamen vor etwa 15.000 Jahren über die gefrorene Beringsee und siedelten von Norden aus weiter nach Süden. In der gleichen Zeit starben nahezu alle großen Säugetiere in den Amerikas aus. Neben den veränderten Wetterverhältnissen waren auch die Protoindianer dafür verantwortlich, die diese Tiere jagten. So gesehen ist es eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet ihre Nachfahren seit Karl May in Deutschland als Menschen gezeichnet werden, die ein besonderes Verhältnis zur Natur haben.

Als der Mensch vor etwa 10.000 Jahren sesshaft wurde, griff er in die Natur ein und machte aus wilden Weizen- und Gerstenpflanzen nützliche Objekte für sein Überleben. Er fing die scheuen Pferde ein und dressierte sie so, dass er nicht mehr selber laufen musste. Er nutze die Stärke des Auerochsen, um so wenig mühsame Arbeit selber zu verrichten, wie möglich. Er trank die Milch von Ziegen, um in den trockenen Gegenden des Nahen Ostens, Wasser zu sparen, kurz: er kultivierte die Natur und begründete Zivilisationen.

Der Fortschritt, der Wandel, das Ungleichgewicht ist Teil der Geschichte des Menschen, mit jeder Erfindung machte er einen Schritt nach vorne, und jeder Schritt nach vorne sorgte für neue Probleme und neue Lösungen. Und jede Neuerung ging immer einher mit dem Verlust von Altem. Das führte zu Streitigkeiten oder im schlimmsten Fall zu blutigen Auseinandersetzungen. In solchen Zeiten setzten sich intelligente Menschen mit dem Wesen des Menschen auseinander und kamen zu unterschiedlichen Schlüssen. Thomas Hobbes etwa sagte klar, dass der natürliche Mensch ohne starke Führung eine Bestie sei, die andere Menschen frisst. Der Mensch sei des Menschen Wolf, wurde diese Erkenntnis zusammengefasst. Ohne starken Staat mit einem absolutistischen König ginge nichts. Jean-Jacques Rosseau sah das ganz anders. Er stellte den Menschen in seinem Naturzustand als gut da, nur die Gesellschaft würde ihn verderben, so dass man durch eine Individualisierung, eine Demokratisierung eine bessere Gesellschaft schaffe, denn in den Urzustand käme man nicht zurück.

Auf der einen Seite gibt es einen bösen, auf der anderen Seite einen guten Menschen vor dem Beginn der Zivilisation. Ich halte hier beiden entgegen: Vor der Zivilisation gibt es weder gut noch böse, es gibt nur Tiere ohne Moralempfinden. Die Zivilisation macht den Menschen aus und die Zivilisation beginnt mit der Nutzung der Natur, entweder durch Jagen und Sammeln oder durch Zucht und Aussaat. Darauf baut alles andere auf. Es gibt eben einen Grund, warum die erste menschliche Kunst Tiere darstellt bzw. deren Material nutzt. Das ist der ultimative Triumph der Kultur über die Natur.

Bei dieser Nutzung hat der Mensch durch Unwissenheit oder schlicht, weil es ihm egal war, die Natur oftmals überbeansprucht. Bereits im Gilgamesch-Epos finden wir die Nutzung von Holz aus dem Libanon, die alten Griechen fällt so viele Bäume für ihre Schiffe, dass die Umgebung ihrer Städte kahl wurde. Walther von der Vogelweide besingt in einem seiner Alterslieder: „Verhouwen ist der walt“, den er als Kind noch kannte. Unser Wuppertal und seine Umgebung gebe es ohne die Abholzungen, die im Namen des Klosters Werden vor 1200 Jahren unternommen wurden, nicht. Dort, wo die Kultur auftritt, muss die Natur weichen oder besser: Sie muss sich anpassen, sich anpassen an die Veränderungen, die es gibt. Und jetzt kommt es zu dem Problem, das die Moderne seit etwa 250 Jahren auszeichnet und das den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen dazu gebracht hat, mit dem Anthropozän, also dem Zeitalter des Menschen, ein neues Zeitalter der Erdgeschichte auszurufen: Die Geschwindigkeit. Anpassung ist ein langwieriger Prozess, mit der Zeit kommt die Einsicht oder zumindest die Akzeptanz. Aber wenn es die Zeit nicht gibt, gibt es ein Problem. So ist es auch mit der Natur. Gibt man ihr Zeit, findet sie einen Weg, hat sie diese Zeit nicht, wird es problematisch.

Die industrielle Revolution war so ein Problem. Alles ging immer schneller, wurde gewaltiger. Kaum etwas macht das so deutlich wie der Bau der Rheinischen Eisenbahnlinie durch die Städte des Wuppertals. Für diese Strecke wurde mehr gewagt als für die Schwebebahn. Riesige Viadukte wurden über Straßen gebaut, alte, kaum zu bewältigende Felsen wurden gesprengt. Innerhalb von wenigen Jahren war das Mammutprojekt fertig, das sich dann so wenig rentieren sollte, das 50 Jahre nach dem Bau der große Bahnhof im Osten Barmens nicht mehr Oberbarmen hieß, sondern Wichlinghausen und der Bahnhof im Tal, der einst Rittershausen genannt wurde, fortan den Namen Oberbarmen trug, denn nur der wichtigere Bahnhof sollte den ganzen Barmer Osten repräsentieren.

Die Rheinische Strecke löste in den Menschen des Wuppertals eine große Sehnsucht aus. So waren in den Kirchen die Predigten über die einfachen Männer der Bibel beliebt, die Erzväter, die noch im Einklang mit Gott und der Natur lebten. Es wurden Vereine gegründet, die die Städte verschönern sollten. Das taten sie interessanterweise nicht durch Kunst im öffentlichen Raum, sondern vor allem durch Grünflächen wie die Barmer Anlagen, den Nordpark oder die Königshöhe.

Es ist erstaunlich. In Anbetracht der massiven technischen Entwicklung, sehnen sich die Menschen zurück zur Natur. Die Heimat wird wichtig und mit ihr alles, was diese auszeichnet. Der Natur kommt dabei, wie es Ralph Waldo Emmerson, der romantischste aller amerikanischen Philosophen, meinte, eine transzendale Bedeutung zu, die etwas Göttliches hat. Mit dieser Idee war er nicht der erste. Wenn ich hier erwähne, dass im Mittelalter die Umwelt als Zeichen von Gottes Allmacht verstanden wurde, sie als ein zweites Buch göttlicher Offenbarung angesehen wurde, das es zu lesen und auszulegen galt, dann merken Sie, dass Emmersons romantische Idee gar nicht so neu ist. In der Natur etwas Göttliches, Transzendales zu sehen, gehört zur Tradition der Menschen. Nicht umsonst waren die Götter des alten Griechenlands oder des alten Germaniens mit Naturphänomen verbunden und im Animismus so manches Naturvolks zeigt sich diese Verbindung noch heute.

Die Natur ist göttlich, die Kultur nur menschlich. Wenn wir in diesen Dimensionen bleiben wollen, dann ist, um auf den Begriff der Ästhetik zurückzukommen, die Schönheit der Natur von einem höherem Wert als die Schönheit desjenigen, was von Menschen gemacht wurde. Wo aber das Göttliche, das Transzendale ist, da ist auch das Spirituelle nicht weit.

Darin liegt die Ursache, warum die deutschen Romantiker begannen, nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Natur zu beschreiben und zu verherrlichen.

Darin liegt die Ursache, warum um das Jahr 1900 herum eine ganz neue Bewegung von naturverbundenen Menschen eine neue Spiritualität suchten und sie zum Beispiel auf einer einsamen Pazifikinsel fanden, wo sie sich nur von Kokosnüssen ernährten.

Dort, wo der künstliche menschliche Einfluss zu groß wird, wächst die Sehnsucht nach dem Natürlichen, dem Göttlichen.

Folgt man dem populären Philosophen Richard David Precht, dann ist die Zeit in der wir heute leben, der Zeit des 19. Jahrhunderts nicht unähnlich. Die gewaltigen Veränderungen der Industrialisierung der damaligen Zeit sieht Precht als einen vergangenen Spiegel unserer Zeit der Digitalisierung. Er selbst sagt, die Tatsache, dass er als Philosoph so gut ankommt und für Veranstaltungen gebucht wird, sei ein Hinweis auf die Sinnsuche, die viele Menschen zurzeit fühlen. Die Regale der Buchhandlungen sind voller Bücher zu Esoterik, die erfolgreichsten Youtuber sind solche, die Produkte mit Binsenweisheiten zur Charakterbildung verkaufen und außerhalb der westeuropäischen Welt wächst die Anhängerschaft der Religionen des Christentums und des Islam. Selbst die Wahlen eines Donald Trump, eines Boris Johnson, eines Jair Bolsonaro oder die große Wählerunterstützung Benjamin Netanjahus in Israel lassen sich vielleicht damit erklären, dass der Sinn des Lebens weggeht. Werden deshalb vielleicht Menschen gewählt, die das bisherige System nicht mehr wollen? Ist es ein Wunder, dass Menschen aus dem rechten Spektrum, nicht mehr an den Staat glauben, dass diese das System überwinden wollen, obwohl rechts irgendwann mal als konservativ, also bewahrend, galt, erst in Bezug auf die Monarchie, dann in Bezug auf die Nation?

Die Sinnsuche in unsicheren Zeiten, auch wenn diese objektiv gemessen gar nicht unsicher sind, zumindest vor Corona, findet ihren Niederschlag in der Sehnsucht nach einem Retrotopia, wie es der Soziologe Zygmunt Baumann nannte. Dorthin wollen wir gerne zurück wollen, also in eine vergangene Welt voller Übersichtlichkeit mit weniger Komplexität. Dass es diese nie gab, spielt bei dem Wunsch keine Rolle Da scheint es nur logisch, sich noch weiter in die Vergangenheit begeben zu wollen, nämlich zu jenem Zeitpunkt, vor der Kultur, in die Natur, zu eben jenem protozivilisatorischen Zeitpunkt, als der Mensch noch natürlich und somit göttlich war. Die Rechten wollen das System überwinden und zurück zum Volk, greifen dabei auf neugermanische Medizin zurück, hassen das Impfen und die großen Konzerne, die Einfluss ausüben auf Politik und globale Institutionen. Die Anhänger der Ökologie wollen das Klima schützen, die Umwelt retten und das System dahin gehend ändern, dass man die Wachstumsideologie überwindet. Beide wollen zurück zu einer Natur, die als etwas Besseres angesehen wird, als das, was es jetzt gibt. Denn das, was es jetzt gibt, ist schlecht.

Die Zukunft wird dabei nicht als etwas Neues begriffen, sondern als ein Ort, der der Vergangenheit entsprechen soll. Und genau an diesem Punkt zeigt sich dann die politische Ökologie und ihr Asthetikbegriff, bei der Gestaltung der Zukunft. Weil Wachstum schlecht ist, muss es reduziert werden oder ganz weg. Aber Wachstum und Fortschritt gehören zusammen. Und Fortschritt definiert die Geschichte des Menschen. Fällt dieser weg, muss er sich neu erkämpft werden. Nahezu 1000 Jahre dauerte es, bis die Menschen Europas das Mittelalter überwunden und eine ähnliche Entwicklungsstufe erreicht hatten, wie die Menschen der Antike. Die Humanisten wollten daher auch wieder an dieser Zeit anknüpfen und verachteten die 1000 Jahre des Mittelalters als rückständig. Für sie war die Zeit vor dem Mittelalter die gute Zeit. Und für uns heutige ist die Zeit vor der Industrialisierung die gute Zeit, das Ideal, das wir anstreben müssen. Glauben Sie nicht? Lassen sie mich ein wenig erzählen.

Eines meiner Lieblingsbeispiele ist das Fahrrad. Dieses soll nicht nur in Wuppertal als Ersatz für das Auto gelten. Mit Lastenrädern kann man sogar, so suggeriert ein Video, dass in Elberfeld gedreht wurde, ohne Probleme umziehen, wenn man genug Menschen versammeln kann, die einem helfen. Ich hätte gerne gesehen, wie die Fahrradfahrer nicht nur innerhalb der Talsohle mit dem Fahrrad umziehen, sondern von Beyenburg aus zum Dönberg oder von Nächstebreck nach Cronenberg. Aber diese kleine polemische Anspielung lasse ich beiseite. Es gibt auch ganz andere Dinge, die es an der Verkehrswende, in deren Mittelpunkt das Fahrrad und der ÖPNV steht, zu kritisieren sind.

Das Fahrrad passt gleich doppelt zur Ästhetikvorstellung der politischen Ökologie. Zum einen ist es umweltschonend, zum anderen als Erfindung noch einmal knapp 100 Jahre älter als das Auto. Die Zukunft besteht also darin, eine 200 Jahre alten Erfindung gegen eine 100 Jahre alte Erfindung auszuspielen. Ich möchte mit Ihnen einmal kurz die Vorteile eines Autos durchgehen. Vorher aber seien drei Anmerkungen gemacht. Ich selber besitze kein Auto, nicht einmal einen Führerschein, nutze regelmäßig Bus und Bahn und liebe es, spazieren zu gehen. Zweitens klammere ich nicht direkte persönliche Nachteile, wie die Umweltverschmutzung, in dieser Aufzählung aus. Der Grund dafür liegt darin, dass Nachteile ohne Frage existieren, diese aber bei der individuellen Entscheidung nur dann eine Rolle spielen, wenn sie einen selbst unmittelbar treffen. Drittens merke ich an, dass es um den Vergleich von Idealen geht. Das Argument, dass das Auto öfter im Stau steht, zählt nicht in den Bereich des Idealen und spielt daher keine Rolle. Es hat wenig Sinn, ideale Vorstellungen mit der Realität zu vergleichen.

Was also sind die Vorteile des Autos: Ein Auto bringt mich 1. trocken und 2. schnell 3. ohne eigene Anstrengung 4. wann ich will 5. von einem Punkt zum anderen.

Zu Nummer 1: Das Argument, irgendwo trocken anzukommen, leuchtet gerade in einer Stadt wie Wuppertal ein. Das Fahrrad hat diese Möglichkeit nicht. Wenn es regnet, wird man nass, auch wenn es sicherlich die Möglichkeit gibt, Fahrräder zu kaufen, die ein Dach über dem Kopf haben. Der ÖPNV schafft es noch am ehesten, mich trocken irgendwohin zu bringen, scheitert aber oftmals an Nummer 2: Geschwindigkeit.

Wer schon mal probiert hat vom Wuppertaler Norden in den Essener Süden ohne Auto zu kommen weiß, dass er mit dem Auto dafür etwa 20 Minuten braucht, aber knapp zwei Stunden mit dem ÖPNV. Der Zugverkehr ist schneller als das Auto, wenn man von Oberbarmen nach Hagen will, aber von Nächstebreck nach Cronenberg zu gelangen ist mit dem ÖPNV in nur knapp einer Stunde möglich. Das Fahrrad ist da durchaus schneller, wenn der Fahrer selber durchtrainiert ist.

Das bringt uns zu Punkt 3: Ohne eigene Anstrengung. Wer zu einer Feier möchte, einer Opernaufführung oder schlicht zu seiner Arbeit wird das Fahrrad nur nutzen können, wenn die Strecke nicht besonders hügelig ist. Wer schweißnass an diesen Orten erscheint, wird für seine Mitmenschen kein angenehmer Gesprächspartner oder Sitznachbar sein. Wenn natürlich alle schwitzen, dann fällt das gar nicht mehr auf, ist auch viel natürlicher. Da ist der ÖPNV wesentlich besser geeignet, man ist dann halt abhängig von den Fahrtzeiten der Busse und Bahnen und dann sitzt man halt ab und an mal ein Stündchen am Gleis nach der Vorstellung oder wartet fünfzig Minuten vor Beginn der Vorstellung, was uns zu Punkt 4 bringt: zeitliche Unabhängigkeit.

Das Auto und das Fahrrad überlassen mir, wann ich losfahre. Ich bin nicht auf den Bus angewiesen, den ich nur bekommen kann, wenn ich zu einem bestimmten Zeitpunkt losgehe. Muss ich kurz vorher noch einmal auf die Toilette, ist der Bus verpasst und die Theateraufführung findet ohne mich statt, denn statt fünfzig Minuten auf die Aufführung zu warten, komme ich jetzt 10 Minuten zu spät an und die freundlichen Mitarbeiter lassen mich nicht mehr in den Saal.

Einzig bei Punkt 5 können ÖPNV und Fahrrad bei Auto mithalten, bei der Bewegung von A nach B, aber das aber natürlich auch zu Fuß.

Ich habe hier natürlich bewusst überspitzt. Aber die hier aufgeführten Punkte sprechen für das Auto, sie sprechen gegen ÖPNV und Fahrrad. Nicht alle fünf Punkte sind für alle Menschen gleich wichtig, geänderte Rahmenbedingungen können einzelne Punkte davon sicherlich abschwächen. Ich selber habe kein Problem damit lange im Zug zu sitzen, auch wenn es mit dem Auto schneller wäre. Aber es gibt Menschen, die damit ein Problem haben. Und durch die Maskenpflicht nervt mich der lange Aufenthalt in Bus und Bahn zurzeit dann doch massiv.

Was ich ausdrücken wollte, war recht einfach. Wer das Auto überwinden will, muss etwas erfinden, was all diese Faktoren einschließt und dazu umweltfreundlich ist. Eine solche Erfindung ist bisher nicht gegeben. E-Autos sind eine nette Idee, aber unter den derzeitigen Umständen nicht umweltfreundlich, da der Strom, der sie betreibt, zum Großteil aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Auf der anderen Seite sind die erneuerbaren Energie noch weit entfernt davon, irgendwann die gesamte elektrische Zulieferung der alten Energieträger zu ersetzen.

Aber gehen wir einmal auf die Idee ein. Wir schaffen das Auto ab und wir alle nutzen das Fahrrad. Was würde sich dadurch ändern? Zum einen reden wir dann über ein geändertes Einkaufsverhalten. Wenn sie sich die Supermärkte ansehen, dann wissen Sie, dass diese darauf ausgelegt sind, dass Sie einen Großeinkauf machen. Sie fahren mit Ihrem Auto vor, kaufen ein und transportieren viele und schwere Waren wieder nach Hause. Selbst mit einem Lastenfahrrad ist das nahezu unmöglich. Die Aufgabe des Autos bedeutet also, dass der wöchentliche Großeinkauf wegfällt, stattdessen werden kleine Einkäufe über die Woche getätigt. Das wird dazuführen, dass die großen Läden verschwinden, denn diese werden nicht mehr den nötigen Umsatz machen können. Die Läden werden wieder kleiner und regionaler. Die Fachhändler in den Quartieren werden wieder mehr, so dass es wieder Bäcker und Metzger gibt, die man zu Fuß erreichen kann.

Damit ändert sich natürlich auch wieder der Einkauf, die Massentierhaltung hört auf, der Transport von Schlachttieren und anderen Produkten durch ganz Europa wird erschwert, er wird entschleunigt. Regionale Produkte werden wieder eingekauft, die Bauern besser bezahlt, die Industrieproduktion der Großbetriebe endet, sie selber werden kleinteilig verkauft und die ganzen sinnsuchenden Marketing- und Verwaltungsmenschen, die in den großen Firmen Bullshit-Jobs gemacht haben, ziehen aufs Land, werden Bauern und versorgen sich selber durch die Kenntnisse, die sie in ihrer Studienzeit beim Urban Gardening gesammelt haben.

Da nicht jeder überall mit dem Fahrrad hinfahren kann, wird der ÖPNV gefördert und massiv ausgebaut. Dabei muss vor allem auf Schienenverkehr gesetzt werden. Die großen Autofirmen gibt es nicht mehr, womit die Produktion von Bussen auf marktwirtschaftlicher Basis keinen Sinn mehr hat. Auch Taxi fahren ist passé, denn der Markt für diese wenigen Wagen ist nicht groß genug, um eine ordentliche Preisleistung zu gewähren. Neben dem Fahrrad wird es Rikschas und ähnliche Transportmittel geben. Eventuell kommt sogar die Pferdedroschke zurück.

Der Schienenverkehr kann nur durch stattliche Einrichtungen flächendeckend ausgebaut werden. Die Finanzierung erfolgt durch öffentliche Mittel. Diese kommen entweder durch eine Besteuerung der Vermögenden. Denn eine Erhöhung der Lohnsteuer würde kaum etwas bringen, da diejenigen, die in den großen Konzernen viel verdient haben, mittlerweile selbstständig sind und kaum so viele verdienen dürften, wie vorher. Oder die Staatsfinanzen werden durch die Ideen der Modern Monatery Therory beeinflusst, nach der der Staat gar keine Schulden machen kann, da diese im Endeffekt nur Buchgeld sind, die man bei der EZB einfach aus den Büchern streicht. Oder um es mit den Worten Donald Trumps zu sagen: „We print the money!“

Die Aufgaben, die der Staat dadurch übernimmt, werden mehr. Der Staat selber wird wieder größer, für ihn zu arbeiten sinnvoll, so kann er seine Funktion als größter Arbeitgeber des Landes noch weiter ausbauen, während er gleichzeitig viele Aufgaben erlassen muss, um das Gemeinwesen zu beruhigen, da sich vieles zum Nachteil verändert. Preise für Fleisch und Getreide werden steigen, arme Menschen und solche mit körperlichen Einschränkungen werden große Probleme haben, sich eine ausgewogene Ernährung leisten zu können. Um eine Grundeinkommen werden wir also nicht herum kommen.

Der Staat baut darüber hinaus die digitale Infrastruktur aus, denn die ganzen Selbstversorger arbeiten alle von zu Hause aus und brauchen Internet. Irgendwann wird jemandem auffallen, dass Serverfarmen mehr CO2 ausstoßen als viele Kleinstädte. Die Energieversorgung wird über kurz oder lang auf erneuerbare Energien umgestellt werden müssen, wenn der Klimawandel aufgehalten werden will. Für die großen Flächen, die die Solar- und Windkraftanlagen benötigen, wird der Staat auf die Mittel zurückgreifen, die er bereits für die Braunkohlegewinnung möglich machte. Enteignung von Böden wird folgen. Die Energiekosten werden verstaatlicht. Internet, ÖPNV und Strom werden kostenlos bzw. durch Steuern bezahlt. Um das regeln zu können, braucht es einen effizienten Staat, der schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen kann, die langwierigen demokratischen Prozesse werden verschlangt.

Die Menschen werden alle vom Staat bezahlt, große Konzerne gibt es nicht mehr, die Industrialisierung beschränkt sich auf Haushaltsgeräte und Computertechnologie, die dank fehlender Transportwegen wieder zurück in die heimischen Regionen kommt. Der Einzelhandel blüht auf und bezieht Produkte von den vielen Bauern. Der Staat regiert schnell und effektiv, gewählt wird immer noch und nur noch ein paar Verschwörungstheoretiker werden davon erzählen, wie schön es war, sonntags morgens mit einem Auto zum Bäcker zu fahren.

Es war Franz-Josef Strauß, der sagte, dass die Grünen wie Melonen seien, außen grün und innen rot. Bei dem oben Skizzierten mag man dem konservativen Übervater Bayerns durchaus zustimmen. Das klingt nach Sozialismus. Übermächtiger Staat, viele Abhängigkeiten des Einzelnen, Enteignung von Eigentümern, zahlreiche Einzelhändler, viel Selbstversorgung und eine großartige CO2-Bilanz.

Wenn Sie nun sagen, Moment, wir schaffen doch nur das Auto ab, das oben Skizzierte kann doch alles deswegen gar nicht passieren, dann hören Sie bitte nicht beim Auto auf. Der Grund für die Beseitigung des Autos ist der Verbrauch von fossilen Brennstoffen und die furchtbare CO2-Bilanz. Wer das bekämpfen möchte, muss auch motorisierte Schiffe und Flugzeuge verbieten. Damit wird die massenhafte Produktion in Übersee und der Transport der Produkte zu einem Problem, was die Auswahl an Waren enorm einschränken wird. Geschäfte, die davon leben, günstige Waren zu verkaufen, werden verschwinden, denn die Produktion von Kleidung wird wieder in heimische Gefilde verlegt. Da diese Produktion CO2-neutral sein muss, ist eine industrielle Herstellung kaum noch vorstellbar, also wird wieder zu Körper- und anderen natürlichen Kräften zurückgegriffen bzw. auf die erneuerbaren Energien. Die Demokratisierung des Konsums, etwa der volle Kleiderschrank, wird verschwinden. Wir werden zum Sonntagsanzug zurückkehren und ansonsten in der Woche wohl ein, zwei Ensembles tragen.

Da fossile Brennstoffe nicht genutzt werden sollen, wird die Herstellung von zahlreichen Plastikteilen zurückgehen. Die Einkaufstüte, die mittlerweile schon durch die weitaus umweltschädlichere Papiertüte ersetzt wurde, wird komplett verschwinden. Die Menschen werden auf Ihren Fahrrädern immer eigene Tüten und Rucksäcke mit sich herum tragen. Wegwerfflaschen wird es kaum noch geben, stattdessen tragen die Menschen eigene Behälter mit sich – immer und überall. Menschen mit schweren Rucksäcken auf Fahrrädern in praktischer Kleidung werden das Stadtbild prägen. Die bürgerlicher Dekadenz des Menschen, der ohne Lasten und Anstrengung durch die Straßen schlendert, ist damit vorbei.

Ich möchte an dieser Stelle mit dem Zukunftsszenario aufhören. Sie merken selber, dass das skizzierte eine Mischung aus einer Zukunft ist und einer Vergangenheit, die irgendwo im 19. Jahrhundert vor der Hochindustrialisierung angesiedelt ist.

Klingt doch eigentlich ganz harmonisch, die Einschränkungen sind gar nicht so doll und sogar der Gesundheit förderlich. Weniger Fleisch, mehr regionaler Anbau. Bioprodukte sind eine gute Sache. Naja, zum einen weise ich noch einmal daraufhin, dass es seit 10.000 Jahren keine Bioprodukte mehr gibt, weil der Mensch damals damit begann, die wilden Pflanzen zu verändern und zum anderen ist die Veränderung der Pflanzen, egal ob durch Zucht oder genetische Manipulation, der Grund dafür, dass es mittlerweile mehr als sieben Milliarden Menschen gibt. Die Produktion von resistenten Pflanzen hat zahlreiche Hungerkatastrophen verhindert, weltweit steigt die Zahl derjenigen Menschen, die eben nicht mehr Hunger leiden müssen.

Damit kommen wir aber zu einem ganz anderen Punkt, wenn es um die ästhetischen Vorstellung innerhalb der Ökologie geht. In der Hochzeit der Fridays for Future-Bewegung teilte man in den Sozialen Medien eine Grafik, in der sich klar zeigte, dass die schlimmste Belastung für die Umwelt darin bestünde, ein Kind in die Welt zusetzen. Die Aufzucht und der damit verbunden Konsum seien klar ein Problem für die Umwelt. Neu ist die Ansicht, der Mensch bzw. die Überbevölkerung sei das größte Problem für die Umwelt, nicht. Bereits vor über 50 Jahren schrieb der amerikanische Soziologe und Berkley-Professor Kingsley Davis einen Aufsatz mit dem Titel „Nachwuchs – Verzicht oder Verbot“. In den letzten Passagen des Essays heißt es: „Eindeutig besteht daher die Aufgabe gegenwärtiger Bevölkerungsplanung darin, einen attraktiven Ersatz für die Familieninteressen zu entwickeln, um dadurch zu vermeiden, daß schließlich nur noch die Not [einer freiheitseinschränkenden Politik] als Korrektiv in Frage kommt.“ Aber auch Davis war damit nicht der erste. Schon der britische Pfarrer und Ökonom Thomas Malthus war vor rund 200 Jahren besorgt, die Überbevölkerung könnte zu Not und Elend führen. Die Idee ist dabei immer dieselbe: Zu viele Menschen bedeutet, dass es Probleme gibt. Um diesen Problemen zuvorzukommen, gibt es nur eine Lösung: Reduktion. Weniger Verbrauch, weniger Klima, weniger Menschen. Entweder, wie Davis es forderte, durch das Aufzeigen schöner Alternativen, oder durch staatlichen Zwang, wie es ihn in China durch die Ein-Kind-Politik gab.

Dieser Verzichtsideologie steht eine weitere Ideologie entgegen, die Wachstumsideologie. Beide miteinander zu verbinden, ist nicht möglich. Wer verzicht will, kann nicht wachsen und umgekehrt. Ich bin nicht hier, um einer dieser beiden Ideologien den Weg zu reden. Aber es ist interessant. Die Ideologie des Wachstums geht im Kern davon aus, dass der Mensch in der Lage ist, über sich selbst und seine Gegenwart hinauszuwachsen, Mittel und Wege findet, Neues zu gestalten.

Die Ideologie des Verzichts glaubt, dass eben dies nicht möglich ist und es deswegen zurückgehen müsste, dass Verzicht und Einschränkungen der persönlichen Freiheit zum Wohl der Allgemeinheit das Gebot der Stunde sei.

Wer aber vor die Wahl gestellt ist, am Leben zu sein und sich so weit einzuschränken, dass er unglücklich wird, oder so zu leben, wie es für ihn passt, dabei aber zu riskieren, den Planeten, besser die Menschheit, zu zerstören, der muss sich entscheiden. Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass es kein Zurück gibt, es geht immer nur nach vorne. Die Frage also bleibt am Schluss: Vertraue ich auf die Fähigkeiten der Menschen oder tue ich es nicht?

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