Zwischen 1882 und 1885 im Bezirk Carnap eine Villa errichtet – unter einer Adresse, die es in dieser Form längst nicht mehr gibt. Zunächst als Carnap 78 geführt, später umgemeldet in Schönebecker Straße 151 und schließlich Robert-Koch-Platz 9a, blieb das Gebäude über all die Jahrzehnte dasselbe, nur sein Name wanderte mit dem wachsenden Barmen mit.
Als Initiator und Grundstückseigentümer gilt, soweit sich das aus den Adressverzeichnissen erschließen lässt, vermutlich Ludwig Wilhelm Julius Molineus, Mitinhaber der Barmer Band- und Zwirnfabrik Molineus & Co. Geboren 1840 in Barmen, heiratete er 1864 – bezeichnenderweise eine Frau, die ebenfalls Molineus hieß: Louise, deren Mutter wiederum der bekannten Barmer Familie Engels entstammte. Solche Verbindungen zwischen den großen Unternehmerfamilien waren im Wuppertal des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit. Ludwig Wilhelm Julius starb bereits 1878, knapp fünf Jahre bevor die Villa überhaupt entstand.
Die Villa fungierte über drei Jahrzehnte als Sommerresidenz der Familie, ehe ab 1914 Johann Wilhelm Molineus, der Sohn von Ludwig Wilhelm und Louise, geboren 1870, dauerhaft mit seiner Frau Franzsika und ihrer Tochter Anneliese, dort einzog. Seine Mutter war ein Jahr zuvor, 1913, gestorben.
Zum Anwesen gehörte auch das Nachbarhaus Nr. 79, in dem Hausverwalter, Bedienstete und landwirtschaftliches Personal untergebracht waren – ein Hinweis auf den einst beträchtlichen Umfang des Guts. Die Firma Molineus & Co. selbst unterhielt ihren Sitz bis 1970 an der Rödiger Straße; die Thorner und die Ahornstraße, die das heutige Neubaugebiet dort einrahmen, wurden in den 1890er Jahren von der Firma selbst angelegt und unterhalten.
1937/38 ging die Villa an eine neue Familie über: Der Ingenieur Karl Lenzner, der sich als Schraubenfabrikant hochgearbeitet hatte, kaufte sie den Molineus-Erben ab. Auch Lenzners eigener Weg zur Villa lässt sich über mehrere Adressen nachzeichnen – von der Schloßstraße über die Sanderstraße bis nach Carnap 78 –, während seine Firma zunächst an der Berliner Straße, dann an der Sanderstraße ansässig war.
Zum eigentlichen Wendepunkt in der Geschichte der Villa wurde jedoch der Bau der Autobahn A46: 1966 musste Lenzner nach einem langwierigen Rechtsstreit knapp die Hälfte seines ursprünglich rund 12.000 Quadratmeter großen Grundstücks für die neue Abfahrt Barmen-Mitte abtreten. Die einst repräsentative Villa lag fortan unmittelbar neben der Autobahnauffahrt, verlor erheblich an Wert und geriet in einen bis heute andauernden Niedergang.
Bis zu seinem Tod blieb Lenzner Eigentümer. Heute gehört das Haus der Familie Rohde. Drei Adressen, zwei Fabrikantenfamilien, ein Grundstück: Wer die Geschichte dieser Villa erzählt, erzählt zugleich ein Stück Barmer Wirtschaftsgeschichte.

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