Kurzüberblick
| Gebiet heute | Beyenburg, Barmen (Ober- und Unterbarmen) sowie Ronsdorf; verwaltungsmäßig reichte der Amtsbezirk weit über das heutige Stadtgebiet hinaus. |
| Bezeichnung | Amt Beyenburg (bergisches Amt, erstmals 1399 genannt). |
| Zeitraum | Spätmittelalter; Entstehung im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen Berg und Mark um 1397–1400. |
| Charakter | Grenzamt mit militärischer Funktion; Verwaltungseinheit zur Sicherung der Ostgrenze des bergischen Territoriums. |
| Schlüsselorte | Burg Beyenburg, Freiheit Beyenburg, Barmen, Ronsdorf, Wupper. |
| Stichworte | Grenzsicherung, Pfand, Amtmann, Amtsrechnung, Höfe, Freiheit. |
Themen
Warum das Amt Beyenburg entsteht
Das Amt Beyenburg gehört nicht zu den ursprünglichen bergischen Ämtern. Es entsteht im späten 14. Jahrhundert als direkte Folge der militärischen und politischen Auseinandersetzungen zwischen der Grafschaft Berg und der Grafschaft Mark. Nach der Niederlage des bergischen Herzogs am 7. Juni 1397, bei der er gefangen genommen wurde, musste zu seiner Freilassung ein hohes Lösegeld aufgebracht werden. Da diese Summe nicht sofort verfügbar war, kam es zur Verpfändung umfangreicher Gebiete. In diesem Zusammenhang wird 1399 erstmals das Amt Beyenburg genannt. Seine Einrichtung diente vor allem der Sicherung der bergischen Ostgrenze.
Burg Beyenburg als Amtssitz
Namensgeber und Mittelpunkt des Amtes war die Burg Beyenburg, deren Name erstmals 1336 belegt ist. Der Name bezeichnet ursprünglich nicht den Ort, sondern die Burg selbst. Ihre Lage an der Grenze zum märkischen Territorium machte sie aus bergischer Sicht besonders attraktiv als Amtssitz. Andere Orte wie Lüttringhausen oder Radevormwald wären ebenfalls denkbar gewesen, doch die Beyenburg bot sich als militärischer Stützpunkt und politisches Zeichen an. Von hier aus verwaltete der Amtmann nicht nur das nähere Umfeld, sondern ein weitläufiges Gebiet.
Die Freiheit Beyenburg
Bereits vor 1448 muss Beyenburg Freiheitsrechte besessen haben, denn ab diesem Zeitpunkt wird der Ort ausdrücklich als Freiheit bezeichnet. Die Verleihung dieser Rechte ist eng mit der Bedeutung von Burg und Kloster Steinhaus verbunden, die den Ort zu einem Anziehungspunkt für Händler, Handwerker und andere Berufsgruppen machten. Die Freiheit verfügte über einen eigenen Bürgermeister und einen Gerichtsbaum, was auf eine bemerkenswerte lokale Selbstverwaltung hinweist.
Barmen im Amt Beyenburg
Für die Geschichte Barmens ist das Amt Beyenburg von zentraler Bedeutung. Das Amt umfasste nicht nur Beyenburg selbst, sondern auch Barmen, das sich entlang der Wupper entwickelte. Eine der wichtigsten Quellen ist die Beyenburger Amtsrechnung von 1467, in der zahlreiche Barmer Höfe verzeichnet sind. Diese Quelle erlaubt einen seltenen Einblick in die Siedlungsstruktur und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Region. Obwohl die bergische Verwaltung im 15. Jahrhundert keine formale Unterteilung Barmens vornahm, lässt sich bereits eine Gliederung in diesseits und jenseits der Wupper erkennen, aus der später die Begriffe Ober- und Unterbarmen hervorgingen.
Ronsdorf zwischen Bornefeld und Beyenburg
Ronsdorf gehörte zunächst nicht zum Amt Beyenburg. Erst 1407 wurde das Gebiet aus dem Amt Bornefeld herausgelöst und zusammen mit dem Kirchspiel Lüttringhausen dem Beyenburger Amtmann verpfändet. Zu diesem Zeitpunkt existierte der Ortsname Ronsdorf noch nicht; frühe Erwähnungen wie ein „Rumpsdorf“ von 1246 lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Greifbar wird das Gebiet über einzelne Höfe wie Erbschlö, die bereits 1312 genannt werden. Der eigentliche Ortsname Ronsdorf taucht erst 1494 auf, zunächst als Personenname eines Viehhändlers in Köln.
Die Beyenburger Amtsrechnung von 1467
Ein herausragendes Dokument für die Geschichte des Amtes ist die Beyenburger Amtsrechnung von 1467. Sie listet die zum Amt gehörenden Höfe auf und gibt Auskunft über Abgaben, Verpflichtungen und Besitzverhältnisse. Für Barmen stellt diese Quelle eine der frühesten systematischen Überlieferungen dar und ermöglicht es, die Lebensverhältnisse der Bevölkerung im späten Mittelalter zumindest in Umrissen nachzuvollziehen.
Hinweise
Grundlage dieser Seite ist dein Text „Die geteilte Stadt – Das Wuppertal im Spätmittelalter“, Abschnitt „Barmen, Ronsdorf und die Wupperschleife: Das Amt Beyenburg“.

