Kurzüberblick
| Gebiet heute | Elberfeld und Cronenberg; das Amt umfasste außerdem kirchlich und rechtlich Teile des westlichen Barmens. |
| Bezeichnung | Amt Elberfeld (bergisches Amt, erst ab ca. 1430). |
| Zeitraum | Frühes Mittelalter bis Spätmittelalter; als bergisches Amt erst rund 70 Jahre nach Einführung der Ämterverfassung etabliert. |
| Charakter | Spät gegründetes Amt, hervorgegangen aus einem kirchlich-kölnischen Tafelgut mit Burg, Freiheit und Kirchspiel. |
| Schlüsselorte | Burg Elberfeld, Freiheit Elberfeld, Cronenberg, Mirker Bach (Grenzraum), Ostersbaum. |
| Stichworte | Tafelgut, Verpfändung, Freiheit, Grenzsicherung, Landwehr, Kirchspiel. |
Themen
Warum Elberfeld so spät Amt wird
Das Amt Elberfeld gehört nicht zu den ursprünglichen bergischen Stammämtern. Der zentrale Grund liegt darin, dass Elberfeld lange Zeit kein bergisches Territorium war, sondern ein Tafelgut der Erzbischöfe von Köln. Die 1366 erstmals erwähnte Burg Elberfeld wurde immer wieder an die Grafen von Berg verpfändet, aber ebenso regelmäßig von Köln wieder eingelöst. Dieser ständige Wechsel verhinderte eine stabile Integration in die bergische Ämterverfassung. Erst um das Jahr 1430 gelang es den Herzögen von Berg, Elberfeld endgültig zu erwerben. Da der Ort zusammen mit Cronenberg nicht sinnvoll in ein bestehendes Amt eingegliedert werden konnte, entstand nun ein eigenes Amt Elberfeld – rund siebzig Jahre nach der Einführung der bergischen Ämterverfassung.
Burg Elberfeld: Machtzentrum und Grenzposten
Die Geschichte Elberfelds ist untrennbar mit der Burg verbunden, deren Reste heute unter der gepflasterten Straße im Stadtzentrum liegen. Als kölnisches Tafelgut hatte die Burg eine doppelte Funktion: Sie war wirtschaftlicher Mittelpunkt und zugleich militärischer Grenzposten gegenüber der Grafschaft Mark. Diese Lage führte immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. 1398 versuchten die Märker sogar, die Burg in einem Sturmangriff einzunehmen; dabei wurde Graf Dietrich von der Mark tödlich verwundet. Die Burg war damit nicht nur Verwaltungssitz, sondern ein Symbol für die umkämpfte Grenzlage Elberfelds.
Die Freiheit Elberfeld
Bereits vor der endgültigen Eingliederung in das bergische Territorium hatte sich in Elberfeld eine sogenannte Freiheit herausgebildet, die sich erstmals 1410 nachweisen lässt. Eine Freiheit ist eine eigenständige Gemeinde, die jedoch noch keinen Stadtstatus besitzt. Die Bewohner waren nicht mehr unmittelbar an die Burg gebunden und verfügten über eigene Rechte. Diese Entwicklung trug wesentlich dazu bei, dass Elberfeld nach dem Kauf durch die Herzöge von Berg nicht einfach einem bestehenden Amt zugeordnet wurde, sondern zum Kern eines neuen Amtes wurde.
Cronenberg zwischen Burg und Eigenständigkeit
Cronenberg wird bereits um 1050 erstmals erwähnt und ist früh mit gewerblicher Tätigkeit, insbesondere der Eisenverarbeitung, verbunden. Formal gehörte Cronenberg zur Burg Elberfeld, entwickelte sich jedoch aufgrund der räumlichen Distanz wirtschaftlich sehr eigenständig. Wie Elberfeld war auch Cronenberg immer wieder Gegenstand von Verpfändungen. Erst 1427 kam es zum endgültigen Verkauf von Elberfeld und Cronenberg an die Herzöge von Berg. 1453 erhielt Cronenberg offizielle Dorfrechte, was die gewachsene Bedeutung des Ortes widerspiegelt.
Kirche und Kirchspiel Elberfeld
Neben Burg und Freiheit spielte die Kirche eine zentrale Rolle für die Entwicklung Elberfelds. Bereits 1302 wird ein Pfarrer Petrus genannt, doch erst ab dem 15. Jahrhundert lassen sich regelmäßige Pfarrnennungen nachweisen. Besonders aufschlussreich ist die Nennung eines Pfarrers im Jahr 1428, die zeigt, dass auch Cronenberg zum seelsorglichen Bereich Elberfelds gehörte. Hinweise um 1500 lassen zudem erkennen, dass die Höfe in Unterbarmen kirchlich nach Elberfeld orientiert waren. Das Kirchspiel Elberfeld umfasste damit ein deutlich größeres Gebiet als der Ort selbst.
Grenzen, Landwehr und unsichtbare Linien
Die unsichere Grenzlage Elberfelds gegenüber der Grafschaft Mark führte dazu, dass die bergischen Herren zeitweise eine Landwehr anlegen ließen. Diese folgte vermutlich dem Verlauf des Mirker Bachs und führte auch am Ostersbaum vorbei, wo ein Schlagbaum als tatsächliche Grenze existiert haben dürfte. Diese Landwehr bestand vermutlich nur kurze Zeit und ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Sie verdeutlicht jedoch, wie stark militärische und politische Überlegungen die räumliche Ordnung im spätmittelalterlichen Elberfeld prägten.
Hinweise
Grundlage dieser Seite ist dein Text „Die geteilte Stadt – Das Wuppertal im Spätmittelalter“, Abschnitt „Burg, Tafelgut und Kirche: Das Amt Elberfeld“.

