Heilkunst und Stadtteilgeschichte: Die Geschichte der Wichlinghauser Apotheke

In der Westkotter Straße 202 in Wuppertal-Wichlinghausen steht ein Gebäude, das heute als architektonisches Mahnmal einer längst vergangenen Ära der Heilkunst fungiert. Es ist nicht irgendein Haus; es war das erste Steinhaus, das in dieser Gegend errichtet wurde, erbaut in der Zeitspanne zwischen 1834 und 1843. Über 160 Jahre lang beherbergte es die Hirsch-Apotheke, eine Institution, die für die Menschen im Stadtteil weit mehr war als nur eine Verkaufsstelle für Medikamente. Um diesen Ort und insbesondere um eine seiner prägendsten Figuren, den Provisor Hömerich, hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein Geflecht aus Legenden, mündlichen Überlieferungen und historischen Fakten gewoben, das heute eine faszinierende Detektivarbeit ermöglicht. Es geht dabei um die Frage, wie ein Mensch zur lokalen Ikone wird und was geschieht, wenn das Licht der Archivforschung auf die schattigen Winkel der Überlieferung fällt.

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Paw Patrol als neoliberale Utopie – eine kultursoziologische Lesart

Es gibt Medienprodukte, die den Alltag von Millionen Menschen prägen, ohne dass sie als politisch oder gesellschaftlich relevant wahrgenommen werden. Paw Patrol gehört eindeutig dazu. Die Serie läuft in über 160 Ländern, ist allgegenwärtig im Familienalltag und hat einen geschätzten Retail-Umsatz von rund sieben Milliarden Dollar generiert. Üblicherweise verbindet man eine solche globale Reichweite mit Nachrichtensendern oder großen Filmfranchises. Umso überraschender ist es, dass sich ein erheblicher Teil kultursoziologischer Kritik ausgerechnet an einer Vorschulserie entzündet, in deren Zentrum ein zehnjähriger Junge, seine Fahrzeuge und eine Gruppe von Rettungshunden stehen.

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Abschied von Rita Süssmuth: Die Wichlinghauserin, die die Integrationskurse erfand

Wuppertal trauert um eine seiner profiliertesten Töchter. Rita Süssmuth, die gestern im Alter von 88 Jahren verstarb, war nicht nur Bundesministerin und Bundestagspräsidentin. Getragen von ihrem tiefen katholischen Glauben und einem christlichen Menschenbild, das keine Grenzen kannte, wurde sie zur entscheidenden Architektin der deutschen Integrationspolitik.

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Sparen und Kürzen bis zum Untergang

Während meines Studiums habe ich in einem Altenheim an der Pforte gearbeitet und mich häufig mit Bewohnerinnen und Bewohnern unterhalten, die ihre Jugend in den 1930er Jahren verbracht hatten. In diesen Gesprächen fiel nicht selten der Satz, es sei gut, „wenn es noch einmal einen kleinen Hitler gäbe“. Das Erschreckende – und zugleich analytisch Interessante – war, dass diese Aussage in den allermeisten Fällen nicht aus offenem Rassismus oder antisemitischer Überzeugung gespeist war. Viel häufiger bezog sie sich auf etwas anderes: auf Arbeit, auf wirtschaftliche Stabilität, auf das Gefühl, dass „es wieder aufwärtsging“. Erzählt wurde von Autobahnen, vom Ende der Arbeitslosigkeit, von einem Aufschwung, der als persönlich spürbar erinnert wurde. Der Terror, die Ausgrenzung, die Gewalt, der Krieg – all das war in diesen Erzählungen entweder ausgeblendet oder nachträglich entkoppelt von der eigenen Lebenslage.

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Vom Dämonenlärm zur Silvesterrakete

Der Jahreswechsel ist seit jeher von einem besonderen Bedürfnis nach Lärm, Licht und klarer Abgrenzung geprägt. Dieses Bedürfnis ist kein modernes Phänomen, sondern lässt sich weit in vorchristliche Zeiten zurückverfolgen. In vielen der überlieferten Quellen erscheint der Jahreswechsel als gefährliche Schwellenzeit, in der das Alte noch nicht vergangen und das Neue noch nicht gesichert ist. Der zugrunde liegende Gedanke ist einfach und zugleich wirkungsmächtig: Lärm vertreibt das Böse. Man ging davon aus, dass Dämonen und finstere Mächte die Stille lieben und durch Getöse in die Flucht geschlagen werden können, insbesondere in den sogenannten Rauhnächten um den Jahreswechsel.

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Oberbarmen, Nächstebreck & Wichlinghausen: Geschichte(n) einer Leidenschaft

Manche sehen in Oberbarmen nur die Schlagzeilen über Kriminalität oder soziale Brennpunkte. Ich sehe etwas anderes: Einen faszinierenden Mikrokosmos der Stadt Wuppertal, in dem sehr viel passiert und in dem Menschen wunderbare Dinge bewegen. Mein Name ist Heiko Schnickmann. Ich bin Historiker, Lokalpatriot und lebe schon mein ganzes Leben in Wichlinghausen. In den letzten zehn Jahren habe ich unzählige Essays verfasst, Führungen geleitet und Archivmaterial gesichtet, um die Tiefe unseres Stadtbezirks zu ergründen.

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Eine saubere Sache – Berliner Platz bekommt neue Toilette

Wer regelmäßig durch Oberbarmen spaziert, kennt die kleine Toilettenanlage auf dem Berliner Platz. Viele Jahre stand sie dort unscheinbar an der Ostseite des Berliner Plazes, immer ein wenig übersehen, aber für manche unverzichtbar. Seit dem Frühjahr ist sie geschlossen – wegen defekter Technik. Ab November nun wird sie umfassend saniert. 125.000 Euro investiert die Stadt in die Modernisierung, und das ist gut so.

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